Kann ich überschüssigen Solarstrom verkaufen?

Eigentümer privater Photovoltaikanlagen haben das Recht, Strom, den sich nicht selbst nutzen, in das öffentliche Stromnetz einzuspeisen. Für diese Leistung erhalten sie vom Netzbetreiber eine entsprechende Einspeisevergütung – der Anlagenbetreiber verkauft seinen Strom also an den Netzbetreiber.

Geförderter Klimaschutz

Seit 2000 regelt das Erneuerbare Energien Gesetz die Vergütung für Solarstromerzeuger. Das EEG wurde damals mit dem Ziel verabschiedet, die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sowie die Neu- und Weiterentwicklung der dafür notwendigen Technologien wie der Photovoltaik zu fördern. Zudem sollten die volkswirtschaftlichen Kosten durch Energieimport gesenkt und gleichzeitig der Klimaschutz vorangetrieben werden.

Die Höhe der Vergütung pro ins Netz eingespeister kWh hängt entscheidend vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage ab. Der bei Anmeldung aktuelle Betrag wird dann über 20 Jahre garantiert gezahlt. Das EEG sieht eine kontinuierliche Absenkung der Einspeisevergütung abhängig vom Photovoltaikzubau vor. Deshalb lohnt es sich, so zeitig wie möglich ans Netz zu gehen. Den aktuellen Fördersatz gibt die Bundesnetzagentur bekannt.

Neben dem Anmeldezeitpunkt spielt auch die Größe einer PV-Anlage hinsichtlich der Einspeisevergütung eine Rolle. Bei der Förderung wird unterschieden nach Anlagen auf „Wohngebäuden, Lärmschutzwänden und Gebäuden nach § 48 Absatz 3 EEG“ gestaffelt bis 10 KWp, bis 40 kWp und bis 750 kWp Leistung sowie nach „sonstigen Anlagen bis 750 kWp“. § 48 Absatz 3 EEG schließt zum Beispiel Flächen ein, „die längs von Autobahnen oder Schienenwegen liegen“ oder „Konversionsflächen aus wirtschaftlicher, verkehrlicher, wohnungsbaulicher oder militärischer Nutzung.“

Lohnt es sich, selbst erzeugten Solarstrom zu verkaufen?

Die Einspeisevergütung sinkt kontinuierlich: Vor zehn Jahren lag sie für Anlagen bis zu 10 kWp noch bei rund 39 Cent. Aktuell erwirtschaftet eine solche Anlage nur unter 9 Cent pro Kilowattstunde. Da gerade Dachanlagen derzeit eine Hochkonjunktur erleben, ist in Zukunft mit einer stärkeren Abnahme der Vergütung zu rechnen.

Generell gilt: Sobald der Strompreis über der Einspeisevergütung liegt, ist es wirtschaftlich sinnvoller, den selbst produzierten Strom auch selbst zu verbrauchen. Dementsprechend sollte bei Anschaffung einer Photovoltaikanlage bereits überlegt werden, ob überschüssiger Strom eventuell gespeichert und zum Beispiel für das Laden eines Elektroautos verwendet werden kann.

Post EEG Anlagen – Wenn die Förderung ausgelaufen ist

Da die Einspeisevergütung über das Datum der Inbetriebnahme geregelt wird und nach 20 Jahren ausläuft, fällt 2021die erste Generation der Photovoltaikanlagen aus der EEG-Förderung – laut Bundesverband der Solarwirtschaft betrifft das 10.000 bis 15.000 Anlagen. Betreiber von solchen sogenannten Post-EEG-Anlagen werden durch die aktuelle Gesetzeslage zu „wilden Einspeisern“, denn die Pflicht des Netzbetreibers zur Abnahme des Stroms erlischt. Der Netzbetreiber kann dann für unaufgefordert eingespeisten Strom Schadensersatz fordern oder Unterlassungsansprüche geltend machen!

Besitzern einer Post-EEG-Anlage haben derzeit nur zwei Möglichkeiten, um rechtskonform zu agieren: Sie verbrauchen ihren Strom selbst oder sie vermarkten ihn direkt. Allerdings hat das Umweltbundesamt in einem Gutachten darauf hingewiesen, dass die existierenden Direktvermarkungsangebote für die Post-EEG-Anlagen nicht wirtschaftlich sind. Ursache dafür sieht das Umweltbundesamt vor allem in den Vermarktungskosten, die bei sehr kleinen Anlagen auf eine geringe Strommenge umgelegt werden und damit vergleichsweise hoch ausfallen. Daneben muss der Betreiber auch noch in Technik investieren, die seine Anlage fernsteuerbar macht und eine Viertelstunden-Messung ermöglicht. Die zu erwartenden Einnahmen (das Umweltbundesamt geht von 4,5 Cent pro kWh aus), deckt diese Kosten kaum.

Die Entwicklung vor Augen entstehen momentan die ersten Anbieter „virtueller Kraftwerke“, die sich dieser Problematik annehmen und auch den Betreibern kleiner PV-Anlagen die Direktvermarktung ermöglichen.

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