Was kostet Ökostrom und wie wird der Preis ermittelt

Ökostrom ist günstiger als manche Verbraucher denken. Die Kosten unterscheiden sich kaum von denen für „Normalstrom“. Doch nicht jeder Ökostrom dient dem Ausbau der erneuerbaren Energien gleich gut. Was es mit Herkunftsnachweis und Ökolabel auf sich hat.
Inhaltsverzeichnis
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    Bestandteile der Stromkosten

    Der Strompreis, den Verbraucher bezahlen, setzt sich, egal ob es sich dabei um „normalen“ Strom oder Ökostrom handelt, aus den folgenden Bestandteilen zusammen:

    • Beschaffung
    • Vertrieb
    • Netzentgelte
    • Abgaben
    • Umlagen
    • Steuern

    Zudem kalkuliert der Stromversorger noch eine Marge oder Handelsspanne ein, seinen Gewinnaufschlag.

    Variable Stromkosten

    Die Kosten für Beschaffung und Vertrieb werden auch als Wettbewerbsanteil bezeichnet. Dieser Wettbewerbsanteil macht ca. 25 % des gesamten Strompreises aus. Kunden, die einen vorteilhaften Tarif für sich wählen, können an dieser Stelle Geld sparen.

    Geht man davon aus, dass die Vertriebskosten nicht allzu abhängig von der Art des verkauften Stroms sind, bleiben die Beschaffungskosten als Variable. Der Transport durchs Stromnetz ist für jede Art Strom gleich, also unterscheiden sich vor allem die Herstellungs- oder Gestehungskosten der verschiedenen Stromarten. Hier können erneuerbare Energien mittlerweile mit den herkömmlichen durchaus mithalten. Typische Stromgestehungskosten liegen zwischen 4 und 10 Cent pro kWh (Quelle,  Grafik Seite 15).

    Die Unterschiede in den Gestehungskosten erklären zum Teil die Preisunterschiede der Tarife abhängig vom eingesetzten Energieträger. Allerdings ist anzumerken, dass die Investitionskosten vieler Kohlekraftwerke längst abgeschrieben sind. Auch werden die Folgekosten wie Umweltzerstörung nicht eingepreist oder die zum Teil massiven Förderungen. Eine vollständige Versorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien würde wiederum eine zusätzliche Investition in Speichersysteme erforderlich machen. Experten gehen davon aus, dass die Kosten dafür bei 20 bis 30 Prozent der Gestehungskosten des Stroms liegen, die auf den Strompreis aufgeschlagen werden müssen.

    Feste Stromkosten

    Netzentgelt, Abgaben, Umlagen und Steuern kann der Stromanbieter nicht beeinflussen, denn sie sind durch Gesetze und staatliche Regelungen vorgegeben. Netzentgelte, die ein knappes Viertel der Stromkosten ausmachen (ca. 23 %), können noch von Region zu Region verschieden sein. Diese Unterschiede sollten bis 2023 durch das Gesetz zur Modernisierung der Netzentgeltstruktur (NEMoG) abgebaut werden.

    Im Strompreis enthalten, ist die EEG-Umlage, die (fast) alle Verbraucher zahlen müssen, unabhängig davon, ob sie einen Ökostromtarif gewählt haben oder nicht. Mit den Einnahmen aus der EEG-Umlage wird der Ausbau der erneuerbaren Energien in Form von Einspeisevergütung und Marktprämie finanziert.

    Was kostet Ökostrom?

    Nahezu jeder Energieversorger bietet mittlerweile Ökostromtarife an. Der genaue Preis ist selbstverständlich von Anbieter zu Anbieter verschieden, doch zeigt ein Vergleich, dass die meisten Tarife unter 30 Cent / kWh und damit unter dem Preis für die Grundversorgung liegen.

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    Warum ist Ökostrom so günstig?

    Lange Zeit war klar, dass Ökostrom teurer als der „normale“ Netzstrom ist, denn die erneuerbaren Energien waren noch vergleichsweise teuer. Verbraucher haben also für das gute Gewissen ein paar Cent draufgelegt. Mittlerweile hat sich das aber geändert und viele Stromversorger bieten sehr günstige Ökostrom-Tarife an. Das liegt aber nicht nur an der zunehmenden Konkurrenzfähigkeit von Sonnen-, Wind- und Wasserenergie. 

    Woran ist Ökostrom zu erkennen?

    Auch wenn wir bei Ökostrom gern von „grünem Strom“ sprechen, in der Realität hat Strom keine Farbe. Oder anders ausgedrückt: Niemand kann dem Strom aus der Steckdose seine Herkunft ansehen. Der Stromanbieter muss deshalb für seinen Ökostrom Herkunftsnachweise erbringen.

    Der Herkunftsnachweis ist ein elektronisches Dokument, das bescheinigt, wie und wo Strom aus erneuerbaren Energien produziert wurde. Gleichzeitig sorgt das Dokument dafür, dass die Strommenge in dieser Qualität nur einmal verkauft werden kann.

    Erzeuger von Strom aus erneuerbaren Energien können sich für ihre produzierte und ins Netz eingespeiste Strommenge Herkunftsnachweise beim Umweltbundesamt ausstellen lassen, sofern der Strom nicht bereits über das EEG vergütet wird. Doch genau hier liegt der Haken: In Deutschland wird der überwiegende Teil des Ökostromes, also des Stroms aus regenerativen Energien, per EEG vergütet. Herkunftsnachweise sind in Deutschland daher kaum verfügbar. Die Zertifikate kommen deshalb vorwiegend aus dem Ausland, zum Beispiel aus Norwegen, wo ein großer Teil des Stroms aus Wasserkraft gewonnen wird. 

    Die Preise für die Herkunftszertifikate sind gering, kosten meist nur den Bruchteil eines Cents. Ihr Einfluss auf den Endpreis des Stromes ist somit vernachlässigbar. Daher ist Ökostrom meist auch nicht wesentlich teurer als andere Stromtarife.

    Ökostrom – nicht nur auf den Preis achten!

    Der direkte Nutzen von Ökostrom-Tarifen lässt sich wie dargestellt in Zweifel ziehen, denn eine Förderung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien wird durch billig erstandene Herkunftsnachweise nicht erreicht. Das funktioniert nur, wenn der Strom gemeinsam mit den Zertifikaten verkauft oder das durch Ökostrom eingenommene Geld in den Ausbau der Erneuerbaren investiert wird. Dass dies geschieht, bestätigen Ökostromlabel. Wer also Ökostrom nicht nur für das grüne Gewissen kauft, sollte unbedingt auf diese Auszeichnungen achten.

    Ökostrom-Label

    Grüner Strom – Zertifikat und Strom werden nur gemeinsam verkauft

    OK Power Siegel, EcoTopTen, TÜV Nord TÜV Süd – Einnahmen werden zur Neuanlagenförderung genutzt (auf Anteil der Neuanlagen achten!)

     

    Ökolabel (außer die vom TÜV) bieten zudem die Gewissheit, dass der Stromversorger keine Anteile an Atomkraftwerken hält.