Lohnen sich private Windkraftanlagen?

Obwohl die Windkraft den größten Teil der erneuerbaren Energien in Deutschland ausmacht, können private Windkraftanlagen nur unter sehr speziellen Bedingungen wirtschaftlich betrieben werden. Erfahren Sie hier, was ein privates Windrad kostet, wie es gefördert werden kann und ob sich die Investition auszahlt.
Inhaltsverzeichnis
    Private Windkraftanlage

    Private Windkraftanlagen: Lohnen sie sich? 

    Die Windkraft hat in Deutschland den größten Anteil der erneuerbaren Energien and er Stromerzeugung, gefolgt von Biomasse und Photovoltaik, die jeweils einen nahezu gleich großen Anteil beitragen. Während Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) für Privatpersonen schon seit Längerem erschwinglich sind und immer beliebter werden, kommen private Windkraftanlagen eher selten vor. Das liegt vor allem daran, dass sie nur unter speziellen Bedingungen wirtschaftlich betrieben werden können. Diese stellen wir Ihnen hier vor. 

    Was beeinflusst den Ertrag von privaten Windkraftanlagen? 

    Auch wenn am Markt Windräder für den privaten Gebrauch in vielfältigen Modellen erhältlich sind, entscheidet vor allem ein Faktor über die Wirtschaftlichkeit einer privaten Windkraftanlage: die Windstärke. Dabei gilt: Die doppelte Windstärke verdoppelt den Ertrag nicht nur, sondern verachtfacht ihn, wohingegen ein doppelter Rotordurchmesser „nur“ zu einem vervierfachten Ertrag führt. Das gilt entsprechend auch andersherum – weht der Wind nur mit halber Kraft, bleibt vom Ertrag nur noch ein Achtel übrig. 

    Daher ist der richtige Standort essentiell – allerdings für Personen, die privat eine Windkraftanlage nutzen möchten, schwierig zu erreichen. Vorrangig werden private Windkraftanlagen auf Hausdächern angebracht. Doch dort mindern umstehende Gebäude oder auch Bäume die Windstärke. Idealerweise würde ein privates Windrad auf einer hochgelegenen Ebene, wie auf einer Wiese oder an einem Hang in exponierter Lage, angebracht und von dort per Stromleitung mit dem Gebäude verbunden. Für die meisten Privatpersonen ist das nicht zu realisieren. 

    Alternativ kann der Zugang zu kraftvolleren Windströmen erreicht werden, indem die Windkraftanlage auf einem Mast montiert wird. Dieser wird in der Regel neben dem Gebäude aufgestellt. Für Windanlagen mit einer maximalen Höhe von bis zu 10 Metern ist in vielen Bundesländern keine Genehmigung notwendig. 

    Private Windkraftanlage

    Lohnen sich private Windkraftanlagen? 

    Windkraftanlagen, die privat genutzt werden können, gehören zu den Kleinwindkraftanlagen. Sie sind definiert als Anlagen mit einer Leistung von bis zu 100 Kilowatt (kW) mit einer Höhe von maximal 50 Metern. Allerdings sind die allermeisten privat genutzten Windräder deutlich kleiner und erreichen eine Nennleistung von höchstens 30 kW – typischerweise sogar nur rund 5 kW. Sie übersteigen nur selten eine Höhe von 30 Metern und bleiben in aller Regel sogar unter 10 Metern. 

    Wie viel Strom eine private Windkraftanlage tatsächlich produziert, lässt sich nicht pauschal sagen. Es fehlen zum einen Erfahrungswerte, zum anderen ist der Ertrag stark abhängig vom Wind und daher nicht konstant. Im Gegensatz kann man bei Photovoltaikanlagen recht genau mit einer Leistung von etwa 1.000 Kilowattstunden (kWh) pro 1 Kilowatt-Peak (kWp) Leistung rechnen. 

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    Einspeisevergütung vs. Eigenverbrauch bei privaten Windrädern

    Wie auch für PV-Anlagen wird für den aus Windkraft gewonnenen Strom, der ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird, eine Einspeisevergütung gezahlt. Für Windkraftanlagen, die privat genutzt werden, liegt diese bei etwa 6 Cent pro kWh. Dem gegenüber stehen Strompreise, die aktuell bei über 30 Cent liegen – Tendenz steigend. Somit ist die Ersparnis, wenn der gewonnene Strom im eigenen Haushalt genutzt wird, höher als der Gewinn, der mit der Einspeisevergütung erzielt werden kann.

    Wenn eine private Windkraftanlage Strom zu einem geringeren Preis produziert, als für Strom aus dem öffentlichen Stromnetz gezahlt werden müsste, arbeitet sie also grundsätzlich wirtschaftlich. Allerdings müssen auch die bedeutenden Anschaffungskosten in Betracht gezogen werden: Erst wenn diese sich amortisiert haben, kann in Bezug auf die Windkraftanlage wirklich von Wirtschaftlichkeit gesprochen werden. 

    Wie viel Strom produziert eine private Windkraftanlage?

    Eine Schätzung der Verbraucherzentrale liefert folgendes Ergebnis:

    Eine Windkraftanlage mit einem Rotordurchmesser von 1 Meter und einer Rotorfläche von 0,8 Quadratmetern produziert bei guter Lage auf einem Hausdach im Binnenland etwa 96 kWh Strom pro Jahr. Wird dieser zu 100 % im eigenen Haushalt verbraucht, bedeutet das eine Kostenersparnis von etwa 29 € im Jahr

    Somit kommt die Verbraucherzentrale zu dem Schluss, dass private Windkraftanlagen nur in den seltensten Fällen profitabel arbeiten. Eine PV-Anlage mit gleicher Fläche produziere ähnlich viel oder sogar mehr Strom – und das zuverlässiger. Außerdem dürften PV-Anlagen, die auf Hausdächern installiert werden, in aller Regel deutlich größer sein. 

    Ein unabhängiges Portal stellt beispielhaft zwei Windkraftanlagen mit jeweils 10 kW im Vergleich vor und errechnet Stromgestehungskosten von 38 bzw. 39 Cent bei einer durchschnittlichen Windstärke von 4 Metern pro Sekunde und Kosten von 20 Cent bei einer durchschnittlichen Windstärke von 5 Metern pro Sekunde. Dieser Vergleich zeigt zum einen, wie stark der Ertrag einer privaten Windkraftanlage durch die Windstärke bzw. den Standort beeinflusst wird, zum anderen aber auch, dass Sparpotenzial bisweilen gar nicht vorhanden ist und in anderen Fällen gering ausfällt. 

    Das Fazit der Verbraucherzentrale ist, dass Kleinwindkraftanlagen nur unter idealen Standortbedingungen wirtschaftlich arbeiten, für den Garten oder die Montage auf dem Dach aber eher ungeeignet sind. Eine Verbesserung dieser Bilanz ließe sich eventuell durch die Kombination einer privaten Windkraftanlage mit einer Photovoltaikanlage erreichen, da PV-Anlagen in den Sommermonaten besonders viel Strom produzieren, während das bei Windkraftanlagen eher in den windigen Herbst- und Wintermonaten der Fall ist. Auch dabei sind allerdings die hohen Anschaffungskosten zu berücksichtigen. 

    Was kostet ein privates Windrad? 

    Die Anschaffungskosten kleinerer Windkraftanlagen, wie sie im privaten Bereich zum Einsatz kommen, sind verhältnismäßig deutlich höher als die Kosten für größere Anlagen. Es ist mit Kosten von etwa 3.000 € pro Kilowatt zu rechnen. Käufer sollten prüfen, inwieweit Paketpreise auch die Kosten für einen Wechselrichter, den Mast, das Fundament und die Montage umfassen. Empfehlenswert ist auch eine Haftpflichtversicherung, die Schäden absichert, die durch die Anlage verursacht werden können, beispielsweise durch Eisabwurf im Winter. 

    Für private Windkraftanlagen können Hausbesitzer eine Förderung beantragen: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet für die Errichtung von Anlagen zur Stromerzeugung aus Windkraft einen günstigen Kredit im Rahmen des Programms „Erneuerbare Energien – Standard (270)“

    Private Windkraftanlagen im Vergleich zu Photovoltaikanlagen

    Wie eingangs erwähnt, macht die Windkraft derzeit in Deutschland bei Weitem den größten Anteil an den erneuerbaren Energien aus und leistet daher einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. Für Privatpersonen schneiden Windkraftanlagen im Vergleich zu Photovoltaikanlagen jedoch deutlich schlechter ab. Die Gründe: 

    • Im Gegensatz zu PV-Anlagen, die leise und nahezu ohne Einfluss auf die Umgebung laufen, verursachen Windkraftanlagen Lärm, Verschattungen oder – wegen Lichtreflexionen auf den Rotorblättern – auch Blendungen. 
    • Die Lebensdauer von Windkraftanlagen ist ungewiss, während man bei modernen Solarmodulen von mindestens 20 Jahren ausgeht.
    • Der Marktanteil für private Windräder ist gering, sodass wenig in die Forschung investiert wird, um den Wirkungsgrad zu verbessern – anders als bei privaten Photovoltaikanlagen. 
    • Je nach Höhe der Anlage muss für private Windkraftanlagen ggf. eine Baugenehmigung eingeholt werden, was bei PV-Anlagen in der Regel nicht der Fall ist. 
    • Der Großteil aller privaten PV-Anlagen kann selbst an nicht idealen Standorten wirtschaftlich betrieben werden. Das ist bei privaten Windkraftanlagen nicht gegeben.