Lässt sich ein Wohnmobil mit einer Solaranlage versorgen?

Das Leben im Wohnmobil ist der Inbegriff von Freiheit. Aber lässt sich bei der Stromerzeugung über eine PV-Anlage eine Autarkie beim Campen erzeugen? Hier erhalten Sie einen Überblick, was bei Solar auf dem Wohnmobildach zu beachten ist.
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    Lässt sich ein Wohnmobil mit einer Solaranlage versorgen?

    Wohnmobile sind der Inbegriff der Freiheit: sich mit dem gesamten Hausstand in Bewegung setzen und zu neuen Zielen reisen. Auf die Annehmlichkeiten des modernen Lebens wollen die meisten jedoch nicht ganz verzichten: Kühlschrank, Smartphone, Fernseher und Radio sind nur einige der potentiellen Stromfresser, die die Batterien eines Wohnmobils früher oder später in die Knie zwingen. Der Anschluss an eine Stromversorgung in Form einer Steckdose ist dann unumgänglich. Der Wunsch nach einem autarken Wohnmobil taucht in solchen Situationen immer wieder auf. Mit einer Solaranlage auf dem Dach lässt sich die Bordbatterie wieder auffüllen. Zudem steht die Energie der Sonne kostenlos und frei zu Verfügung. 

    Mittlerweile hält der Markt etliche nützliche Lösungen und Komponenten bereit, um eine Autarkie im Wohnmobil annähernd zu erreichen. Abhängig von der Größe der Solaranlage und der genutzten Verbraucher müssen Reisende ihr Wohnmobil nicht an den Netzstrom anschließen. Sofern die Solaranlage optimal für die Verbraucher dimensioniert wurde, lässt sich dann auch komplett autark reisen. Verschiedene Faktoren spielen hier eine Rolle.

    PV-Anlage auf Wohnmobilen

    Solarmodule für Camper gibt es mittlerweile in verschiedensten Varianten, um die individuellen Anforderungen der Caravan- und Wohnmobilnutzer zu erfüllen. Die Module sind grundsätzlich dieselben, wie sie auf Hausdächern verwendet werden. Jedoch sind die Ausmaße, die Komplexität und damit auch die Kosten wesentlich geringer. 

    Welche Lösung für die individuellen Zwecke geeignet ist, ergibt sich zunächst meist aus den baulichen Gegebenheiten. Bewegen sich Wohnmobile beispielsweise an der Grenze des zulässigen Gesamtgewichts oder sind keine ebenen Flächen vorhanden, empfiehlt sich eine Solaranlage mit flexiblen Modulen. Gibt es jedoch genügend freien Platz und keine Gewichtseinschränkungen, ist eine Anlage auf dem Dach sicher eine gute Lösung. Je nachdem, wie viel Platz auf dem Dach des Wohnwagens tatsächlich vorhanden ist, kann die passende Solaranlage gewählt werden. Es gibt gerahmte Solaranlagen, die mit den entsprechenden Halterungen oder Profilen direkt auf dem Dach des Wohnmobils befestigt werden können. Soll die Bauhöhe des Wohnmobiles niedrig bleiben, sind aufklebbare Module möglicherweise eine passende Lösung. Und genau wie bei der Installation auf Hausdächern sollten bei der Montage des Panels auf dem Wohnmobildach einige Grundvoraussetzungen berücksichtigt werden. So gilt es, Verschattungen möglichst zu vermeiden. Fällt beispielsweise der Schatten einer Antenne auf die Module, kann die volle Leistung nicht erzielt werden. 

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    Außerdem muss die Solaranlage in jedem Fall für den mobilen Einsatz geeignet sein. Erschütterungen und Vibrationen – wie sie beim Fahren zwangsläufig auftreten – muss sie in jedem Fall standhalten. Darum sind Solaranlagen, wie sie auf Hausdächern verwendet werden, für diesen Einsatz ungeeignet. Überdies haben mobile Anlagen eine wasserdichte Anschlussdose und eine relativ niedrige Leerlaufspannung, damit die Batterien des Wohnmobils gut geladen werden können. 

    Als Alternative oder auch als Erweiterung einer vorhandenen Solaranlage auf dem Wohnmobildach können sogenannte Faltmodule oder Koffermodule zum Einsatz kommen. Sie eigenen sich für kleine Fahrzeuge, die keine Installation auf dem Wohnmobildach zulassen oder auch als Ergänzung beim Überwintern in südlichen Ländern, wo auch bei niedrigem Sonnenstand die Strahlung eingefangen werden soll. 

    Neben den PV-Panels wird ein sogenannter Laderegler (auch Solarregler) benötigt. Als Verbindungsglied zwischen den Modulen und der Batterie steuert er den Stromfluss. Der Markt hält Komplettpakete inklusive Montageanleitung bereit. Vorteil dabei: Alle Komponenten sind gut aufeinander abgestimmt. Ein Großteil der Wohnmobileigner greift zu einer Anlage von 100 bis 300 Wp Nennleistung. Die Kosten dafür bewegen sich im mittleren dreistelligen Bereich. Je nach Modell und handwerklicher Begabung können Campingfreunde eine solche Anlage selbst installieren. Im Netz finden sich dafür Anleitungen und eine Vielzahl an Tipps.

    Größe der Solaranlage berechnen

    Um die sinnvolle Größe einer Solaranlage berechnen zu können, braucht es vor allem eine essentielle Information: Wie hoch ist der tägliche Stromverbrauch des Wohnmobilbesitzers in Wattstunden (Wh)? Weil hier viele scheitern, gibt es Solarrechner, in dem grundlegende Verbraucher bereits eingetragen sind (z.B. Solaranlage Wohnmobil berechnen: Solarrechner für 12V / 24V) oder Stromverbrauch Wohnmobil berechnen). Es sind Verbraucher, wie sie in den meisten Wohnmobilen einfach Standard sind: Kühlschrank und Heizung auf Gas, Licht per LED, ansonsten etwas Fernsehen, Wasserpumpe und Internet. Darüber hinaus können auch weitere Stromverbraucher wie Heizlüfter oder Klimaanlage, Kompressorkühlschrank oder Induktionskochplatte eingetragen werden Sie treiben den Verbrauch im Solarrechner meist schnell nach oben.

    Der individuelle Verbrauch bestimmt die Wahl der richtigen Solaranlage für das Wohnmobil. Anhand der Zeit, die ein Wohnmobil oder Camper ohne Fremdstrom stehen können, lässt sich bereits ein erster Richtwert ablesen. Wichtig ist außerdem, wieviel Kapazität (Ah) die Bordbatterie besitzt. Als Richtwert lässt sich die Hälfte der Kapazität als Verbrauch zu Grunde legen, der durch die autarke Standzeit geteilt wird. Auf diese Weise lässt sich eine grobe Einschätzung über Tagesverbrauch ermitteln. Für die exakte Kalkulation einer geeigneten Solaranlage hilft es, eine Fachmeinung einzuholen.

    Schlussendlich sollte die Solaranlage so geplant werden, dass bei halbwegs sonnigem Wetter der tägliche Verbrauch gedeckt wird. Wurde ein Stromverbrauch von 1.000 Wh ermittelt, dann sollte eine Anlage mit 200 Wp im Sommer bei genügend Sonnenschein ausreichen. Berücksichtigt werden sollten aber in jedem Fall Reserven für Schlechtwetter-Phasen oder Tage mit deutlich höherem Verbrauch.

    Die richtige Ausrichtung der Solaranlage 

    Damit die Solarmodule optimal arbeiten können, müssen Standort und Ausrichtung sinnvoll gewählt sein. Auch für Photovoltaikanlagen auf Wohnmobilen gelten eine Ausrichtung nach Süden und ein Winkel zwischen 20 und 50 Grad als ideal. Liegt das Modul flach auf dem Dach, ist die Leistung um ein Viertel geringer. Außerdem sollte das Wohnmobil schattenfrei geparkt werden. Nicht unterschätzt werden sollte außerdem die Außentemperatur. Da die Leistung der Solaranlage sinkt, wenn sie zu heiß wird, sollte unter den Modulen die Luft zur Kühlung zirkulieren.

    Kann man mit einer Solaranlage im Wohnmobil autark sein?

    Wie immer, wenn sich die Frage der Selbstversorgung mit Photovoltaik stellt, kommt es darauf an, wie viel Strom benötigt wird, wenn die Sonne gerade nicht scheint. Wenn es dunkel wird, geht das Licht im Wohnmobil an, vielleicht läuft ein Fernseher oder das Tablet wird eingeschaltet, der Kühlschrank ist dauerhaft in Betrieb. Stromerzeugung ist jedoch nicht möglich. Das heißt, ohne Batterie geht es nicht und die muss genügend Strom für alle Anwendungen liefern. 

    Auch wenn die Sonne scheint, kann die Solaranlage eventuell nicht genügend Solarstrom liefern, zum Beispiel wenn das Wohnmobil im Schatten geparkt wird. Vielleicht genügt der Solarertrag noch für die aktuell angeschlossenen Verbraucher, reicht aber nicht aus, um die Batterien aufzuladen. Werden für die Solarmodule optimal ausgerichtet, ist die Batterie des Wohnmobils ausreichend dimensioniert und wird kontinuierlich mit frischen Strom gespeist, kann das Wohnmobil jedoch einige Tage ohne einen Stromanschluss auskommen.